|
Andeer liegt im Schamsertal (Romanisch: Val Schons) am Hinterrhein. Durch seine verkehrstechnisch günstige Lage ist Andeer die bevölkerungsstärkste Gemeinde im Kreis Schams.
Geschichte
Münzfunde aus der frühen Kaiserzeit weisen darauf hin, dass die Römer wohl schon bei der Eroberung ihrer Provinz Raetia (ab 15 v. Chr.) in Andeer vorbeikamen. Man nimmt an, dass die damalige Ansiedlung mit der Name Lapidaria bereits damals ein wichtiger Etappenort auf der Reise über die Alpen wurde.
Südlich des Dorfes, beim Weiler Bärenburg, liegen die Ruinen der einstigen Burg Bärenburg.
Der Bau von Fahrstrassen über die Pässe Splügen und San Bernardino brachten um 1820 einen Aufschwung der mit der Eröffnung der Eisenbahntunnels durch die Alpen gegen Ende des 19. Jahrhundert zum Niedergang des Gütertransportes führte. Seit der Eröffnung des San-Bernardino-Strassentunnels im Jahre 1967 liegt Andeer wieder an einer vielbefahrenen Route (A 13).
Bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts war Andeer mehrheitlich rätoromanischsprachig. Seither gewinnt das Deutsche langsam, aber stetig an Terrain.
Tourismus
Heute ist der Tourismus sehr wichtig für das Dorf. Alte Häuser und Strassen sowie einige kulinarische Spezialitäten ziehen Touristen an. Übernachtungsmöglichkeiten gibt es in vier Hotels, zahlreichen Ferienwohnungen und auf einem Campingplatz. Der Fernwanderweg Via Spluga (von Thusis nach Chiavenna in Italien führt durch Andeer, das als Etappenziel dienen kann. Andeer ist im übrigen sehr zentral gelegen für Sommer- und Winterausflüge zum Schamser Berg, ins Avers und ins Hinterrheingebiet.
Wirtschaft
Bekannt ist der grüne Andeerer-Orthogneis (Handelsname: Andeerer Granit oder Verde Andeer), der am Rand des Dorfes von zwei Betrieben abgebaut und verarbeitet wird. Im petrografischen Sinne handelt sich um ein Metamorphit. Die Firma Toscano baut das Gestein an zwei Stellen (Bärenloch und Parsagna) ab. Die natürliche Lagerstättensituation führt dazu, dass der Andeerer Orthogneis schräg abgebaut werden muss. Durch das ausgeprägte Richtungsgefüge des Vorkommens kann man dieses Gestein „im Lager“ (wolkige Struktur) oder „gegen das Lager“ (mit streifiger Struktur) bekommen. Deshalb sind auch spaltraue Platten möglich, was bei vielen Graniten in der Regel nicht möglich ist.
International bekannt ist der Verde Andeer vor allem wegen seiner Verwendung für Grabsteine und -platten sowie in der Innenausstattung. Der typische grüne Farbton ist unter den Natursteinen nahezu konkurrenzlos.
Der Abraum wird fast zu 100 % verwendet. Dabei entstehen Mauersteine, Zuschläge für die Betonindustrie oder für Strassen- und Eisenbahnschotter. Bis auf grosse Rohtafeln werden alle Arbeiten im Ort durchgeführt.
Am alten San Bernadinopass ist ein neuer Steinbruch aufgeschlossen, in dem eine silbergraue Variante des Orthogneises abgebaut wird. Durch die unkomplizierte und den einheimischen Rohstoffen gegenüber aufgeschlossene Genehmigungsstruktur in der Schweiz ist es möglich, Natursteinsorten neu zu erschliessen und abzubauen. Das Material kam unter dem Handelsnamen Rhein-Quarzit in den Handel.
Ein anderes, ebenfalls weit herum geschätztes Produkt aus Andeer sind die Käse der lokalen Sennerei. Diese wurde 2000 geschlossen und die Lage erschien hoffnungslos. Dann konnte sie aber ein Jahr später doch wiedereröffnet werden. Fünf Landwirte liefern jährlich 360'000 kg Milch ab, aus denen verschiedene (u.a. preisgekrönte) Käse sowie Milchprodukte hergestellt werden.
|